Presseberichte

Bad Homburger Woche 22. September 2011

 

Der Gonzenheimer Franke erhält eine neue Ruhestätte

 

Gonzenheim (a.ber). Gelebte Geschichte mitten im Ort: Ein Wechselvolles Schicksal hat das Bau-Ensemble „Am Kitzenhof“ in Gonzenheim. Nun soll das Mitte des 17. Jahrhunderts erbaute Anwesen das neue Heimatmuseum beherbergen, an dem derzeit eifrig gebaut wird.

 

Auch das auf der Saalburg zwischengelagerte Skelett aus einem in der Frankenstraße gefundenen Merowinger-Grab soll hier seine Ruhestätte finden. Der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim, der für die Ausstattung und Bestückung des neuen Museums zuständig sein wird, hat laut seinem 1. Vorsitzenden Ernst Henrich viele Ideen. Jedoch sucht er noch Sponsoren.

Dass das Ensemble Am Kitzenhof 2 und 4 und das angebaute Vereinshaus das Herzstück des südlichsten Bad Homburger Stadtteils ist, ist nicht zu übersehen. Nicht nur die Vereine, sondern auch zahlreiche Einzelveranstaltungen sowie das „Gonzenheimer Wochenende mit Kerb“ beleben den Ortskern. In der lebendigen Mitte des Stadtteils soll nun auch die wechselvolle Geschichte der Bewohner Gonzenheims, ihrer Vereine, Gebäude und des Alltagslebens durch die Jahrhunderte ihren Ausdruck finden. Stolz zeigt Ernst Henrich beim Rundgang durch die Baustelle Am Kitzenhof 4 auf eine in den Boden eingelassene Grabstätte: Hier sollen in Zukunft die sterblichen Überreste eines Franken, der vor Jahren bei Bauarbeiten an der Römer- und Frankenstraße gefunden worden war, liegen: Sichtbar durch eine in den Boden eingelassene Glasplatte, wird er mitsamt den Grabbeigaben seinen Platz wieder in Gonzenheimer Erde finden. „Er liegt dann in meinem Wohnzimmer“, schmunzelt Ernst Henrich, denn das alte Fachwerkhaus war viele Jahrzehnte hindurch bis 2006 Familiensitz seiner Frau Karin Henrich und später von ihm selbst und der Tochter.

Ernst Henrich, 1. Vorsitzender des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, zeigt auf die Stätte des Frankengtrabes im neuen Museum.               Foto: Bergner

 

Nach dem Auszug der Henrichs reifte der Plan zu einem Heimatmuseum. Das im Besitz der Stadt befindliche Gebäude wird aus städtischen Mitteln restauriert. Der erste der drei Räume im Erdgeschoss des etwa 100 Quadratmeter großen neuen Museums wird der Vor- und Frühgeschichte gewidmet werden, die beiden anderen Räume werden die Ortsgeschichte Gonzenheims und Handwerk, Landwirtschaft und Gastwirtschaften des Ortes darstellen. Im ersten Stockwerk wird in zwei Räumen das Vereinsleben zu sehen sein. Auch ein Mehrzweckraum, der als Galerie und Vortragsraum nutzbar ist, wurde geplant. Der Dachboden wird als Lagerfläche und Archivraum genutzt werden. Ebenso findet der Geschichtliche Arbeitskreis ein neues Büro mit Teeküche im direkt angrenzenden Vereinshaus.

Begibt man sich in die Kellerräume unter dem Vereinshaus, wird der reiche Schatz an geschichtlich wertvollen Gegenständen sichtbar, die der Arbeitskreis sammelte und im Museum präsentieren will. Viele Leihgeber haben ihre Unikate auch noch zu Hause gelagert. Bei der Auswahl und Präsentation werden die ehemalige Leiterin des Museums im Gotischen Haus, Ursula Stiehler, und der Museumsdesigner Thomas Scheuermann behilflich sein. Ernst Henrich ist froh, dass die jahrelange Arbeit des Geschichtlichen Arbeitskreises nun bald eine solche Würdigung erfährt. Für die teuren Vitrinen und die übrige Ausstattung hofft der Verein noch auf viele Spender.

Der Arbeitskreis selbst hat in seiner neuesten Publikation „Mitten im Ort. Die Häuser Am Kitzenhof“ (Heft 21) ein Schlaglicht auf die Geschichte des gesamten Ensembles geworfen. Heinz Humpert, Karin Henrich, Ursula Stiehler und Ernst Henrich erzählen anschaulich und mit vielen Zitaten aus alten Dokumenten, welche Menschen in den alten Fachwerkbauten lebten. Erste Besitzer der Häuser 2 und 4 waren Angehörige einer Familie Topf, die im 17. Jahrhundert mit elf beziehungsweise sieben Kindern dort lebten. Von 1763 bis 1882 bewohnte die Familie Kitz das größere der beiden Häuser, wovon der Kitzenhof seinen Namen bekam. Interessant sind Dokumente, in denen die Erbschaften damals geregelt wurden: Die Erben hatten zu Lebzeiten der Eltern diese im Haus mitzuversorgen, für angemessene medizinische Versorgung und das Waschen und Flicken der elterlichen Wäsche geradezustehen. Viel erfährt man auch über die Lebensumstände der Bewohner im 19. und 20. Jahrhundert, ihre Berufe und die Ausstattung der Wohnungen. Den Band rundet ein Artikel über das im Entstehen begriffene Heimatmuseum ab, über das Vereinshaus Gonzenheim und das älteste Haus am Platz, den 1609 errichteten Fachwerkbau Seulberger Straße 5, dessen erster Bewohner der „Jude Abraham“ war. Dieses Haus wurde 1972 gemeinsam mit etlichen anderen Ställen und Scheuern des „Kitzenhofs“ abgerissen. Zum Gonzenheimer Wochenende am l. und 2. Oktober wird eine Ausstellung „Mitten im Ort - Am Kitzenhof'“ im Vereinshaus gezeigt. Dort ist von 14 bis 18 beziehungsweise von 11 bis 18 Uhr auch die neue Publikation des Arbeitskreises erhältlich.

 

Taunus Zeitung 9.9.2011

 

Heimatgeschichte auf Papier und aus Stein

Am Sonntag sind erste Einblicke in das künftige Heimatmuseum möglich

 Das Gonzenheimer Heimatmuseum nimmt Formen an. Derzeit finden bereit Malerarbeiten statt. Doch bis das Haus der Ortsgeschichte eröffnen kann, wird es wohl noch über ein Jahr dauern.

 

 

Im Kitzenhof soll künftig die Ortsgeschichte von Gonzenheim dokumentiert werden. Erste Einblicke sind am Sonntag möglich. Foto: aw

 

Gonzenheim. Kirdorf und Ober-Erlenbach haben schon eins. Ober-Eschbach und Dornholzhausen hätten es gerne. In Gonzenheim ist es derzeit im Entstehen begriffen: ein Heimatmuseum für den Stadtteil. Am kommenden Sonntag haben Interessierte Gelegenheit, die Fortschritte am neuen Haus der Ortsgeschichte aus nächster Nähe zu betrachten.

 

Wobei das Wörtchen „neu“ den Sachverhalt nicht trifft. Denn der Kitzenhof, in dem das Heimatmuseum eingerichtet wird, ist vermutlich eines der ältesten Gonzenheimer Häuser. Ein Eichenholzbalken, in den die Jahreszahl 1619 eingeritzt ist, verweist auf die mutmaßliche Bauzeit. Das Fachwerkhaus soll auf rund 115 Quadratmetern die Geschichte des Stadtteils dokumentieren. Dafür ist, ähnlich wie in Kirdorf, im Erdgeschoss des Hauses eine Dauerausstellung angedacht, im ersten Stock sollen Wechselausstellungen möglich sein.

 

Der eigentliche „Star“ der Ausstellung wird jedoch im Keller des Hauses untergebracht sein: eine Rekonstruktion des Frankengrabs inklusive Knochenrelikte, die man am Schützbrett in der Nähe der Frankenstraße ausgegraben hat. Die Saalburg, wo die Funde derzeit lagern, stellt sie dem Museum zur Verfügung. Durch eine Glasplatte im Erdgeschoss werden die Besucher in das Grab hinabblicken können.

 

„Das große Konzept steht“, sagt der Vorsitzende des Vereins Geschichtlicher Arbeitskreis Gonzenheim, Ernst R. Henrich. „Jetzt kommen noch die Einzelheiten.“ Aber die haben es in sich. So müssen zum Beispiel noch Vitrinen angeschafft werden. Für den vergleichsweise kleinen Verein mit knapp 50 Mitgliedern trotz Unterstützung durch die Stadt eine Herausforderung.

 

Deshalb fassen Vereinsmitglieder bei der Herrichtung des Museums so gut es geht mit an. So haben Heinz Humpert und Henrich eigenhändig und auch „eigenfüßig“ ein Loch in der Wand zugemauert. Eigenfüßig deswegen, weil zuvor der Lehm nach historischem Vorbild mit den Füßen gestampft werden musste. „Eine kalte Angelegenheit“, erinnert sich Humpert. „Wenn wir das noch mal machen müssen, dann bestimmt nicht mehr im März.“

 

Lösung aus einem Guss

Der Verein, der bisher recht beengt in der Mühlenstube im Vereinshaus untergebracht ist, wird im neuen Museum im Obergeschoss ein Büro sowie unter dem Dach Magazinräume erhalten, in denen weitere Exponate aufbewahrt werden können. Besonders stolz ist man auf einen Mehrzweckraum, in dem per Beamer bei Ausstellungen oder Vorträgen Bilder an eine Wand projiziert werden können. Dadurch, dass das Heimatmuseum durch das Vereinshaus betreten wird, kann auch dessen Aufzug benutzt werden, sodass ein barrierefreier Besuch möglich sein wird.

 

Noch Zukunftsmusik ist auch der kleine Museumshof, der in einem schmalen Streifen hinter dem Vereinshaus angelegt werden kann. „Er ist groß genug, um ein paar Bänke aufzustellen, wenn man mal eine Veranstaltung ausrichtet“, sagt Henrich.

 

Bis das Haus eröffnet werden kann, wird noch ein Jahr vergehen. Doch das macht Henrich nichts aus: „Wenn wir jetzt die Möglichkeit dazu haben, dann wollen wir auch eine Lösung aus einem Guss und kein Flickwerk.“ Und so ist als Eröffnungstermin Ende 2012 vorgesehen. Wer sich schon vorab ein wenig informieren möchte, der hat am kommenden Sonntag zwischen 10.15 und 14.30 Uhr dazu Gelegenheit. aw (aw)

 

 

 

Frankfurter Rundschau 3.9.2010

 

 

 

 Der Kitzenhof im Umbruch: Das ehemalige Wohn- und Rathaus wird nun zu einem modernen Heimatmuseum umgebaut.    Foto: MICHAEL SCHICK

 

Gonzenheimer Franke kehrt heim

 

Das alte Kitzenhof-Haus öffnet seine Türen / Heinz Humpert stellt das Familienbuch Gonzenheim vor

 

Von Olaf Velte

 

Wenn Ernst Henrich ins Obergeschoss des alten Hauses steigt, befindet er sich auf bekanntem Terrain. Hier hat der Vorsitzende des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim 30 Jahre lang gewohnt - genauso wie seine Vorfahren. Von Wohnlichkeit kann aber derzeit keine Rede sein, das denkmalgeschützte Haus im Kitzenhof wird umgebaut zu einem Museum.

 

Wie weit die Bauarbeiten gediehen sind und was in den sanierten Räumlichkeiten geplant ist, können Besucher am Tag des offenen Denkmals am 12. September erfahren. Ernst Henrich wird die Gruppen durch das Gebäude führen während Heinz Humpert das „Familienbuch Gonzenheim“ vorstellt. Zum letzten Mal vor der Drucklegung können die Einwohner des früheren landgräflichen Amtsdorfes in dem mächtigen Manuskript blättern - und entscheiden, ob sie in dem 2600-Seiten-Werk erwähnt werden wollen. In limitierter Auflage soll der Mehrbänder im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

 

Ahnenforscher Humpert hofft, dass dann auch das Museum seine Pforten öffnen kann. Noch liegt aber viel Arbeit vor den Handwerkern und Heimatforschern. Der geplante Einzug zum Ende des laufenden Jahres musste verschoben werden: Immer wieder tauchen marode Balken auf, die durch neues Eichenholz zu ersetzen sind. Die tragenden Deckenbalken wurden bereits mit Stahlwannen unterfangen - der Statik gilt das Hauptaugenmerk der Sanierung.

 

An der Außenwand steht die Verschieferung des Erdgeschosses noch aus. Zwischen dem 1619 errichteten Haus und dem ebenfalls zum Kitzenhof gehörenden Vereinsheim ist ein Treppenhaus mit barrierefreiem Aufzug entstanden. Ob die veranschlagte halbe Million Euro alle Kosten decken wird, ist ungewiss.

 

Exponate zur Früh- und Ortsgeschichte sollen im Erdgeschoss ihren Platz finden, der obere Stock ist Sonderausstellungen und Veranstaltungen vorbehalten Auf den 120 Quadratmetern werden nicht nur Werkzeuge und historische Gerätschaften präsentiert, auch ein Modell der bis in die 1970er Jahre über die Weltmeere dampfenden „MS Gonzenheim“ ist zu sehen. „Der Reeder hat in der Promenade gewohnt“, sagt Henrich. Und die Promenade gehörte lange zur Gonzenheimer Gemarkung - bis die „Zwangseingemeindung“ 1937 auch das Aus für das Rathhaus im Kitzenhof bedeutete. Danach diente das ehemalige Gehöft als Wohnstätte.

 

„Magnet“ des künftigen Museums, so Heinz Humpert, soll der Gonzenheimer Franke aus dem nahen Gräberfeld sein. Derzeit noch in der Saalburg ruhend, kommt das Skelett hier unter einem Stück Glasboden zu liegen. Vorerst kann der Besucher aber das alte Flechtwerk der Wände oder die geschwärzten Deckenbalken in der einstigen Küche bestaunen.

 

  

 

Taunuszeitung 21.5.2010

Der Franke kommt in den Boden

 

. . . und „Carmina Burana“ auf den Schlosshof

Damit Kultur nicht nur einem exklusiven Kreis vorbehalten bleibt, legt sich die Stadt mächtig ins Zeug – unter anderem über die Förderung bestimmter Projekte durch die 2004 gegründete Kulturstiftung. Das Geld reicht allerdings nie für alles, was gefördert werden müsste. Da kommt eine Finanzspritze über 50 000 Euro gerade recht.

Von Sabine Münstermann

 

Bad Homburg. Was haben die Gesamtschule am Gluckenstein, die Bad Homburger Tafel und der Bachchor der Erlöserkirche gemeinsam? Dies: Die Gesamtschule am Gluckenstein war ebenso «Nutznießer» der Fördergelder der Mainova wie die Bad Homburger Tafel. Und was den Bachchor betrifft: Ohne eine kräftige Finanzspritze von Mainova in Höhe von 10 000 Euro könnte die Kantorin der Erlöserkirche, Susanne Rohn, wohl kaum das ehrgeizige Projekt „Carmina Burana auf dem Schloßhof“ verwirklichen. Dass sie jetzt, gemeinsam mit den Chören der Humboldtschule und des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums, der Sinfonietta Frankfurt und dem Kammerorchester Offenbach Carl Orffs szenische Kantate in der Orchesterfassung wird aufführen können – am 18. und 19. August – freut Rohn „riesig“. Seit 2001 gab es kein Konzert der Erlöserkirche mehr auf dem Schlosshof, aus Geldmangel.

 

Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) und Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) sind glücklich darüber, dass Mainova-Vorstandsvorsitzender Dr. Constantin Alsheimer das Geld der Kulturstiftung zufließen lässt  und damit die Chor-Aufführung möglich macht. „Die Kulturstiftung macht zwar Projekte möglich, die das breite Spektrum kommunaler Kulturarbeit beispielhaft abbilden“, sagt Korwisi. „Aber eigentlich ist ja nie genug Geld da, um alle wunderbaren Sachen zu fördern, insofern ist die Spende der Mainova ein echter Segen“, fügt Fleige hinzu.

 

Alsheimer empfindet das Engagement des Energieversorgers, an dem zu 99,7 Prozent kommunale Gesellschafter beteiligt und 0,3 Prozent „historisch gewachsener Börsenbesitz“ sind, als „Teil unserer Verantwortung gegenüber Homburg“. Sein Unternehmen wolle dazu beitragen, „dass Kultur keine exklusive Veranstaltung ist, die nur einem exklusiven Nutzerkreis zugänglich ist“. Insgesamt 50 000 Euro hat die Mainova der Kulturstiftung übergeben.

 

„Wichtig ist uns auch, dass mit diesem Geld nicht nur die Kultur an sich, sondern auch das ehrenamtliche Engagement, das Kultur vielfach erst möglich macht, gefördert wird“, betont Fleige. Bestes Beispiel dafür sei der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim, bekanntlich Träger des Heimatmuseums am Kitzenhof, das seit gut einem Jahr renoviert wird. „Das Haus ist 400 Jahre alt, das geht leider nicht so schnell“, erklärt Ernst Henrich vom Arbeitskreis. Abgesehen davon wolle man ja „dem Franken einen ordentlichen Platz herrichten“ – eingelassen in den Boden. Der Franke lagert derzeit noch, wie alle Ausgrabungen auf dem Gräberfeld zwischen Franken- und Römerstraße, auf der Saalburg. Mehr verrät Henrich aber noch nicht über die Räume. Immerhin darf er sich jetzt über einen Batzen Geld freuen – 5000 Euro für die Einrichtung, die insgesamt 39 000 Euro kosten wird, und 15 000 Euro für die Erarbeitung des Gonzenheimer Familienbuches. Auf das freut sich auch der OB. Der ist zwar Kirdorfer – „aber einer meiner beiden Großväter war Gonzenheimer“

 

 

 

 

Hier in ein im Boden eingelassenes Grab soll er hin, der Franke, der derzeit noch auf der Saalburg „lagert“. Über die Stelle solle eine Glasplatte kommen, damit Besucher des Heimatmuseums Gonzenheim den Fund bestaunen könnten, erklärt Ernst Henrich vom Geschichtlichen Arbeitskreis Gonzenheim.      Foto: Jochen Reichwein

 

Dr. Constantin Alsheimer überreicht OB Michael Korwisi und Beate Fleige einen Scheck über 50 000 Euro. Davon profitieren werden Susanne Rohn und Ernst Henrich (von links). Foto: JR 

 

 

Frankfurter Rundschau 21.5.2010

 

Bad Homburg

Carmina Burana im Schlosshof

Von Olaf Velte

Kultur kostet. Aber ohne sie ist das Leben ärmer. Damit sich Bad Homburg auch in Zukunft „Kulturstadt“ nennen darf, braucht es Fördermittel. Gestern stellte die Mainova AG einen stattlichen Betrag zur Verfügung - 50.000 Euro, die ausgesuchten Vorhaben zugute kommen sollen.

 

Verantwortlich für die Zuteilung ist die Bad Homburger Kulturstiftung. Vor sechs Jahren gegründet, hat sie sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben. Seitdem hat das regionale Versorgungsunternehmen Mainova dem Stiftungskapital rund 235 000 Euro zugeführt. Erstmals seit den Gründungstagen werden nun einzelne Projekte in großem Stil unterstützt So erfüllt Susanne Rohn Vorfreude, wenn sie an den 18. und 19. August denkt. Das klassische Werk „Carmina Burana“ soll dann im Schlosshof aufgeführt werden. In Orchesterbesetzung. „Die kleine Fassung nur mit Klavieren trägt im Freien nicht, da benötigen wir die Blechbläser“, sagt die Kantorin der veranstaltenden Erlöserkirchengemeinde. Neben den Chören der Humboldtschule und des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums sind auch Vokalsolisten und das Kammerorchester Offenbach eingeplant. Eine Bühne muss gezimmert werden. Das alles kostet - und ist ohne Sponsoring nicht zu stemmen. Die Kulturstiftung macht´s mit 10 000 Euro möglich.

 

Honoriert wird auch das ehrenamtliche Engagement des Geschichtlichen Arbeitskreises von Gonzenheim. Vor einem Jahr wurden die Umbauten in dem 1619 errichteten Bauernhaus am Kitzenhof gestartet. In dem Fachwerkgebäude entsteht ein Museum zur Dorfgeschichte. „Wir bauen behindertengerecht mit Aufzug und schiefen Ebenen“, sagt Vereinsvorsitzender Ernst Henrich. 5000 Euro sollen helfen, das Innere zu gestalten. Weitere 15 000 Euro fließen zur Realisierung eines zweibändigen Familienbuches. „Diese Gonzenheimer Chronik reicht zurück bis zum 30-jährigen Krieg.“ Im November sollen Museum und Buch der Öffentlichkeit präsentiert werden. ....

 

 

 

Bad Homburger Woche 27.5.2010

Kuklturstiftung fördert Bad Homburger Projekte

 

Von Bernd Ehmler

 

Bad Homburg. Die aus Mitteln der Mainoya AG aufgebaute Kulturstiftung Bad Homburg fördert ganz unterschiedliche Projekte in der Kurstadt. Oberbürgermeister Michael Korwisi sagte im Beisein des Mainova-Vorstandsvorsitzenden Dr. Constantin H. Alsheimer und der Kulturdezernentin, Stadträtin Beate Fleige, die Bedeutung der 2004 gegründeten Stiftung für das Kulturleben der Stadt Bad Homburg trete jetzt deutlich zutage.

 

„Die Förderung durch diese Stiftung macht Projekte möglich, die das breite Spektrum kommunaler Kulturarbeit beispielhaft abbilden“, sagte Korwisi. Er nannte die Aufführung der Carmina Burana durch den Bachchor der Erlöserkirchengemeinde im Hof des Landgrafenschlosses im August und die Ausstattung des Heimatmuseums am Kitzenhof in Gonzenheim.

 

„Die Bereitschaft der Mainova AG, Mittel zu stiften, sichert die Qualität unserer Kulturarbeit auf Dauer. Dafür danke ich dem Unternehmen“, so der Oberbürgermeister weiter. Der Mainova-Vorstandsvorsitzende Dr. Aisheimer betonte zur Verwendung der Mittel: „Kulturelle Vielfalt ist ein wichtiger Eckpfeiler in unserer heutigen Gesellschaft. Die Kulturstiftung fördert diese Vielfalt und trägt damit maßgeblich zur Tradition Bad Homburgs als Kulturstadt bei. Mit unserer Spende in Höhe von 50 000 Euro möchten wir das Engagement der Stiftung anerkennen und fördern.“ Kulturdezernentin Beate Fleige sagte: „Kulturarbeit steht in unserer Stadt auf zwei Säulen: Dem Kulturetat und der Arbeit von Sponsoren und Mäzenen, die viele Ereignisse erst möglich machen. Die Arbeit der Stiftung zeigt, dass sie dem hohen Anspruch gerecht wird, der in einer Stadt wie Bad Homburg an sie gestellt wird.“

 

Das belegt ein Blick auf die Projekte, die beispielhaft präsentiert wurden. Der Chor der Erlöserkirchengemeinde plant für August 2010 ein besonderes Ereignis: Carmina Burana wird in der Orchesterfassung aufgeführt. Die Leitung hat Susanne Rohn, die Kantorin der Erlöserkirchengemeinde. Beteiligt sind neben Vokalsolisten und dem Bachchor der Erlöserkirche auch die Chöre des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums und der Humboldtschule, die Sinfonietta Frankfurt und das Kammerorchester Offenbach. Das mit Abstand populärste und meistgespielte klassische Chorwerk steht am 18. und 19. August im Hof des Landgrafenschlosses auf dem Programm. Die Kulturstiftung unterstützt die beiden Veranstaltungen mit 10 000 Euro. „Wir freuen uns riesig, dieses Projekt durchführen zu können“, sagte Susanne Rohn. „Bei der großen Aufführung im Freien braucht man Power - da spielt alles, was ein Orchester hat!“

 

Träger des Museums am Kitzenhof ist der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim. Er richtet in einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Haus das Gonzenheimer Museum ein. Der Verein ist Mitglied des Hessischen Museumsverbandes. Die Kosten für die Inneneinrichtung werden voraussichtlich rund 39 000 Euro betragen. Um die Landesförderung durch einen höheren Eigenbetrag zu sichern, ist eine Förderung aus Mitteln der Kulturstiftung in Höhe von 5000 Euro vorgesehen. Darüber hinaus fördert die Stiftung den Verein mit 15 000 Euro bei der Erarbeitung eines Gonzenheimer Familienbuches. „Bei dem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1690, in dem das Museum untergebracht ist, muss einiges getan werden“, sagte der Vorsitzende des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, Ernst Henrich. „Auch im Hinblick darauf, dass es behindertengerecht gestaltet wird.“

 

Weitere Projekte, die seitens der Kulturstiftung Förderung erfahren, sind die Aufführungen der Komödie „Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie“ von Max Frisch durch die Studio-Bühne Bad Homburg, zwei Buchprojekte, die Arbeit des Theaterpädagogischen Instituts, der Trägerverein der Kleinen Oper Bad Homburg ist, und eine Ausstellung am 20. und 21. November im Vereinshaus Gonzenheim aus Anlass von Bahnjubiläen: Vor 110 Jahren die erste Straßenbahn in Homburg, vor 100 Jahren Übergang in die Frankfurter Lokalbahn, die berühmte Linie 25, und zudem 150 Jahre Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz.

 

Den Beschluss zur Gründung der Kulturstiftung fassten die Gremien der Stadt Bad Homburg im Jahr 2004. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Kunst und der Kultur sowie die Pflege und Unterhaltung von Kunst- und Kulturwerten. In die Stiftung werden Mittel der Mainova AG eingebracht, Zustiftungen von anderer Seite sind ebenfalls möglich. In den vergangenen Jahren sind seitens der Mainova AG rund 235 000 Euro dem Stiftungskapital zugeflossen. Weitere Mittel aus den Zuwendungen der Mainova wurden für soziale Vorhaben verwendet, zum Beispiel für Projekte der Gesamtschule am Gluckenstein und für die Einrichtung der Bad Homburger Tafel.