Presseberichte
Taunus Zeitung 9.9.2011 Jahrelang hat Heinz Humpert unermüdlich Kirchenbücher gewälzt, Zeitungen ausgewertet, in Archiven gestöbert. Nun ist es endlich fertig: das Gonzenheimer Familienbuch. Doch das dreibändige Werk enthält weit mehr als „nur“ die Namen von über 6000 Familien und 20 000 Menschen. Von Alexander WächtershäuserHeimatgeschichte auf Papier und aus Stein
Gonzenheimer Familienbuch

Auf über 2600 Seiten hat Heinz Humpert die Geschichte von über 20 000 Menschen zu Papier gebracht. Foto: aw
Gonzenheim. Manchmal ist Geschichtsforschung eine schwere Angelegenheit. Das gilt auch für diejenigen, die das jüngste Werk des Gonzenheimer Heimatforschers Heinz Humpert studieren möchten. Denn dann gilt es immerhin, die stolze Zahl von über 2600 Seiten, handlich verpackt in drei Bänden, zu lesen - und die wiegen gut und gerne drei Kilo. Auch der Inhalt hat es in sich. Es ist eine gelungene Mischung aus sorgfältiger Forschung und unterhaltsamen Histörchen - mal lustig, mal tragisch -, die ein lebendiges Bild Gonzenheims von der Vergangenheit bis zur Gegenwart zeichnet.
Über 6000 Familien hat Humpert bei seiner Recherche zusammengetragen. Insgesamt über 20 000 Personen hat er erfasst und quasi am PC deren Familienstammbäume nachgezeichnet. Dabei reichen die Anfänge in das Jahr 1622 zurück. Und wie so häufig in der Geschichtsforschung war es ein Unglück, das dazu führte, dass wir etwas über die ersten Familien erfahren. Damals war das Dorf im Dreißigjährigen Krieg zwischen dem 7. und 9. Juni 1622 von „Halberstädtischem Kriegsvolk“ verwüstet worden. Schultheiß Johannes Krämer erstellte eine Liste aller Personen, deren Besitz dabei zu Schaden kam. Die Aufstellung umfasst insgesamt 53 Namen. Den entstandenen Schaden schätzte der Schultheiß auf über 17 000 Gulden, eine für die Zeit unglaublich hohe Summe.
Seuchen und Hexenjagd
In dem Buch findet man zu jeder Person - soweit bekannt - nicht nur den Namen, sondern auch das Geburts- und Sterbedatum, den Tag der Konfirmation und der Hochzeit, den Beruf und natürlich die Namen der Kinder. Wenn in den Kirchenbüchern oder in anderen Archivalien noch weitere Angaben zur Person gemacht wurden, hat Humpert diese ebenfalls verarbeitet. Und so erfährt der Leser auch von so manchem Skandälchen, das damals wahrscheinlich das Dorf erschüttert hat. Man erfährt von unehelichen Kindern, von den berühmten „Sieben-Monats-Kindern“, von denen es zum Beispiel im April 1707 heißt: „Die Kindbetterin ist zu früh niedergekommen, denn sie haben Hochzeit gehalten anno 1706 im November.“ Es wird berichtet von Seuchen wie dem Faul- und Fleckfieber, die über das Dorf hinweg gezogen sind, und auch von einem ganz dunklen Kapitel der hessisch-homburgischen Landesgeschichte: der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert, die auch in Gonzenheim Opfer forderte.
All das macht das Werk, das der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim herausgegeben hat, trotz seines Umfangs zu einer spannenden Lektüre. Das Buch wird am kommenden Sonntag beim Tag des offenen Denkmals im künftigen Heimatmuseum im Kitzenhof (neben dem Vereinshaus) zwischen 10.15 und 14.30 Uhr vorgestellt. Auch das Museum kann an diesem Tag besichtigt werden. Dank der Unterstützung der Kulturstiftung und der Wilhelm-von-Meister-Stiftung kostet das dreibändige Werk 55 Euro.
Übrigens: Für Heinz Humpert war das Gonzenheimer Familienbuch nicht das erste und auch nicht das letzte seiner Art. Vor einigen Jahren hat er zusammen mit Marianne Beckert das Ober-Eschbacher Familienbuch veröffentlicht. Derzeit sitzt er bereits an den Forschungen zu den Familienbüchern von Homburg, Seulberg, Ober-Erlenbach und Nieder-Eschbach.
Bad Homburger Woche 8.9.2011
Gonzenheimer Ahnenforscher stellt sein Familienbuch vor
Gonzenheim (a.ber). Ein „menschliches Denkmal“ der besonderen Art präsentiert der Gonzenheimer Heimatforscher Heinz Humpert zum Tag des offenen Denkmals am 11. September. 2600 Seiten in drei stattlichen Binden umfasst sein „Familienbuch“ über die ehemaligen und lebenden Einwohner Gonzenheims.
Kenne ich den Geburtsort meines Ur-Urgroßvaters? War mein Vorfahre ein Goldarbeiter oder Bergmann? Ist mein Großonkel nach Australien oder Amerika ausgewandert? Viele Fragen lassen sich beim Durchblättern der Publikation klären, in der Heinz Humpert in 16 Jahren Ahnenforschung Familien und Personen erfasst hat, die in Gonzenheim lebten oder heute leben. Aus Kirchenbüchern, Standesamtsbüchern, Grabsteinen, Adreßbüchern und Zeitungen, aber auch durch Hinweise zahlreicher Bürger konnte der Gonzenheimer Geburts- und Sterbedaten, Heirats-, Konfirmations- und Firmungsdaten ebenso wie Berufe zusammentragen. Selbst Paten und Trauzeugen der Einzelnen sind vermerkt - eine Fleißarbeit, die der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim unterstützte. Der Arbeitskreis hat gemeinsam mit der Kulturstiftung der Stadt und der Wilhelm-Meister-Stiftung die Herausgabe des Werkes bewerkstelligt.
Eine der Hauptquellen für Heinz Humperts Arbeit war der Nachlass des in Ober-Eschbach wohnhaften Jakob Lengfelder, der von 1910 bis 1940 Lehrer war und selbst Geschichtsforschung betrieb. Schon damals zeigte sich, dass die Familiengeschichten von Ober-Eschbach und Gonzenheim sehr verknüpft sind. Humpert hat auch eine Auflistung ehemaliger Pfarrer, Lehrer und Schultheißen in Gonzenheim beigefügt, ebenso gibt es drei Register zu Berufshinweisen, Namen und Orten. Das Nachschlagen unter einer bestimmten Familiennummer führt leserfreundlich zu zahlreichen weiteren Hinweisen zur einzelnen Familie. Der fleißige Forscher fand auch in eigener Sache einiges heraus: So hatte auf seinem Anwesen an der Straße Alt Gonzenheim im 17. Jahrhundert ein Paar gewohnt, das als Hexenpaar verschrien war und neun Kinder hatte. 1654 wurde Gertrud Lorey geb. Carl hingerichtet, ihr Mann Conrad Peter Lorey überlebte. Zehn Gonzenheimer „Hexen“ sind laut Humpert damals auf dem Platzenberg hingerichtet worden.
Wer mit Gonzenheim verbunden oder einfach neugierig auf Heimatgeschichte ist, findet beim Durchforsten der drei Bücher manch Interessantes und erhält einen Überblick über das „menschliche Netzwerk“ eines Stadtteils, das in seiner Architektur einem Gebäude aus Stern durchaus ebenbürtig und damit denkwürdig ist. Die Auflage des „Familienbuches Gonzenheim“ von 250 Stück wird am Sonntag, 11. September, von 10.15 bis 14.30 Uhr erstmals im Vereinshaus, Am Kitzenhof 4, verkauft. Bestellungen nimmt der Geschichtliche Arbeitskreis auch unter der Telefonnummer 450134 entgegen.
